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Bekenntnisse einer Leserin von “Bekenntnisse eines Redners”

Reden vor Publikum gehen uns mehr an, als viele vermuten. Nicht nur auf Tagungen als Redner oder als Zuhörer, sondern schon viel früher in der Schule und im Studium. Wie viele Lehrer und Professoren kennen Sie, die ihre Zuhörer mitreißen und begeistern? – Sehen Sie! – Müssten das nicht viel mehr sein? In einem Beruf, bei dem das Reden vor Publikum beinahe täglich dazu gehört?

Scott Berkun nimmt uns in seinem Buch „Bekenntnisse eines Redners“ mit auf die Reise durch sein Leben als Redner. Er weiht uns in Erfolge und in Peinlichkeiten ein, die ihm als Redner in vielen Jahren widerfahren sind. 

Eine wahre Geschichte aus meinem Grundstudium: Es gab da eine Vorlesung, die begann um 8 Uhr. Zum üblichen “cum tempore”, also um 8 Uhr 15, waren selbst das Podium des Professors überfüllt. Bereits um 7 Uhr war der größte Hörsaal der Uni mit über tausend Plätzen voll besetzt. Wenig  später gab es auch keinen Platz mehr auf den Treppen oder eben zu Füßen des Professors.

Dieses Interesse, zu dieser frühen Stunde, lag an der Vortragsweise des Professors. Sonst um diese Zeit drehte sich der ordentliche Student noch einige Male in seinem Bettchen um. Wozu gab es Scripte!

TU Berlin – Institut für Marketing:  Eine mündliche Prüfung trennt mich vom Diplom. Zur Prüfung gehört ein Vortrag vor dem Professor, seiner Assistentin und zwei Mit-Prüflingen. Gerade verkünde ich unter Tränen, dass ich die Prüfung abbrechen möchte. Freundlich fragt der Professor nach dem Grund. „Ich kann den Vortrag nicht halten“,  bringe ich schluchzend hervor.

Der Professor rettet meine Prüfung, indem er fragt, was ich denn gesagt hätte, wenn ich den Vortrag gehalten hätte. So zieht er mir nach und nach den ganzen Vortrag aus der geröteten Nase. Ein Kommilitone streichelt mir währenddessen über den Arm, der andere hält meine Hand.

Heute, viele Jahre später halte ich ein Buch in Händen, das Menschen davor bewahren kann, in solche Situationen zu geraten: „Bekenntnisse eines Redners“ von Scott Berkun.

Berkun erzählt flüssiger und spannender als manch hochgelobter Krimiautor. Anekdoten und Fakten über berühmte Redner lockern den Text angenehm auf. Berkun berichtet, was hinter den Kulissen einer Konferenz passiert, klärt über technische Fallen genauso auf wie über Räume, die den Redner nicht mögen. Er verrät, wie man das Publikum auf seine Seite zieht, woher die Ur-Angst beim  Reden vor einer Gruppe  kommt und wie man die natürlichen Körperreaktionen austrickst.

Hilfreich und amüsant sind seine Tipps, warum und wie man die erste Reihe füllen sollte. Wertvoll auch praktische Hinweise, zum Beispiel warum und wie man am besten die Kabelei des Mikrofons verschwinden lässt. Vom kleinsten Detail bis zum exquisiten Expertentipp ist das Buch eine Fundgrube an nützlichem Wissen eingebettet in persönliche Erlebnisse.

So erfährt der Leser auch, wie ein Vortrag Schritt für Schritt entsteht, wie man das Thema aufbaut und wie man treffende Überschriften entwickelt. In seinem Beispiel hält Berkun zwar das Mineral Kalzium für ein Vitamin, wenn er schreibt “Kalzium und andere Vitamine”, doch darüber kann man hinwegsehen.

Nicht so gut ist die Qualität der zahlreichen Fotografien im Buch. Sie sind so dunkel, dass man Details kaum erkennt. Das ist schade, denn genau wie der Text sind auch die Bilder sehr persönlich.

Das Titelbild macht mich überhaupt nicht an. Vergleiche ich das Titelbild von „Bekenntnisse eines Redners“ mit denen anderer Business-Ratgeber oder mit den “Gesichtern” der Fachbücher in meinem Bücherregal, dann wirkt das Gesicht von Berkuns Buch eingefallen, müde und traurig. Das wird dem frischen Schreibstil im Innern nicht gerecht. Wegschauen möchte ich bei dem Mann am Boden, der sich eh von allen Betrachtern abwendet. Er wirkt, als hätte er den Gedanken aufgegeben, jemals die Rede seines Lebens zu halten. Oder überhaupt irgendeine Rede.

Berkun schreibt im Buch selber darüber, wie wichtig aussagekräftige Titel für einen Vortrag sind. Warum dann so ein Titel für dieses Buch? Wäre ich professionelle Rednerin, würde ich vermutlich zu einem anderen Buch greifen. „Bekenntnisse eines Redners: Oder die Kunst gehört zu werden“ klingt für mich im ersten Moment nach Prosa und nicht nach einem Ratgeber. Der Titel erinnert mich an Thomas Manns “Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull”. Einen richtig knackigen Ratgeber hätte ich hinter dem Titel nicht vermutet. Selbst, wenn der Untertitel: “Oder die Kunst gehört zu werden” in auffälligerer Schriftgröße wäre.

Fazit: Wer Scott Berkuns „Bekenntnisse eines Redners“ liest, fühlt sich gut unterhalten, bestens informiert und hervorragend gewappnet gegen alle Widrigkeiten, auf die ein Redner stoßen kann. Wer sich an Berkuns Ratschläge hält, und wer durch ihn seine Ängste vor dem Reden besser verstehen lernt, der kann mit diesem Buch ein guter oder ein besserer Redner werden.

An Berkuns Stil gefällt mir auch, dass er fern ist von allem überheblichen Guru-Gehabe. Scott Berkun gibt sich nicht als Superheld seiner Branche. Er zeigt an vielen Stellen im Buch eine angenehme Demut vor dem Leben an sich und vor den großen Rednern der Geschichte. Man merkt an jedem Kapitel, dass er viel von denen und mindestens genauso viel aus seinen eigenen Erfahrungen gelernt hat.

"Bekenntnisse eines Redners" von Scott Berkun aus dem O'Reilly Verlag

Das Buch „Bekenntnisse eines Redners“ von Scott Berkun habe ich bei BloggDeinBuch entdeckt. Zur Verfügung gestellt wurde es vom O’Reilly Verlag. Es kostet 24,90 Euro und bestellen kann man es hier.

 

Bildrechte: © cienpiesnf – Fotolia.com 

 

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