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Was Sprachnachrichten und n-tv gemeinsam haben

Zum ersten Mal bekomme ich eine Sprachnachricht. Damit meine ich nicht die üblichen Nachrichten auf dem Anrufbeantworter, sondern eine Sprachnachricht anstelle einer E-Mail. Es beginnt mit einem Link bei Skype. Dabei: eine Textnachricht, die auf die Sprachnachricht hinweist. Auf der Zielseite noch eine Textnachricht, die wieder auf die Sprachnachricht hinweist.

Ich: Leicht genervt.

Dann die Webseite mit der Sprachnachricht. Eine weitere Begrüßung links. Aktivieren der Sprachnachricht rechts. Nach den zwei schriftlichen Begrüßungen folgt nun eine dritte, mündliche Begrüßung.

Ich: Am Rande des Wahnsinns.

Was nun folgt, ist eine etwas umständlich formulierte Nachricht. Leider bietet die Sprachnachricht dem Absender nicht die Möglichkeit, nachträglich alle Ähmms zu streichen und Sätze gleich im ersten Anlauf sinnvoll zu konstruieren. Fazit: Anstelle von drei Kommunikationskanälen hätte einer gereicht. Eine E-Mail mit zwei, drei kurzen Sätzen.

Einen geschriebenen Text lese ich schneller, ich verstehe ihn leichter, kann das Lesen unterbrechen, zwischendurch einen Anruf entgegennehmen, Essen kochen und danach weiterlesen. Sprachnachrichten dagegen beanspruchen die volle Aufmerksamkeit des Empfängers, bringen aber im Gegenzug keinen Zusatznutzen. Einem geübten Leser rauben Sprachnachrichten Zeit und Nerven.

Bei gesprochenen Texten fehlt der schnelle Überblick über den Inhalt. So kann man nicht vorab entscheiden, ob die Nachricht gerade jetzt wichtig ist oder auch später bearbeitet werden kann. Man muss sich beim Zuhören mehr konzentrieren als beim Lesen, wo man einfach im Text zurückspringen kann.

Aus einer E-Mail kann man Inhalte in eigene Dateien kopieren. Beim Anhören einer Sprachnachricht muss man Wichtiges selber aufschreiben. Beim Zuhören sollte man möglichst nicht unterbrochen werden. Der Absender einer E-Mail überlegt sich besser, was er mitteilen möchte und wie. Er fasst sich kürzer und dem Empfänger bleiben Ähmms und Ähhs erspartAus diesen Gründen sind für mich Sprachnachrichten kein sinnvoller Ersatz für E-Mails.

Stellen Sie sich vor, mehrere Ihrer Kontakte kommen auf die Idee, Sprachnachrichten zu senden. Und stellen Sie sich nun vor, dass 30 E-Mails am Tag durch eine Sprachnachricht ersetzt werden: Dann lesen Sie zuerst die 30 E-Mails, in denen die Sprachnachrichten angekündigt werden. 30 x klicken Sie auf einen Link und werden auf die Webseite mit der Sprachnachricht weitergeleitet. 30 x müssen Sie nachsehen, wo die Nachricht aktiviert wird, denn es nutzt ja nicht jeder dasselbe Portal. 30 x müssen Sie dann im Durchschnitt jeweils 1-1,5 Minuten einem ungeübten Sprecher lauschen. – In der Zeit können Sie einen halben guten Spielfilm anschauen. Und da sprechen Profis. Ich mag Innovationen. Aber sie müssen besser sein, als das, was sie ersetzen. Oder schöner. Sprachnachrichten sind nicht besser als E-Mails und sehen auch nicht besser aus.

Was Sprachnachrichten und n-tv gemeinsam haben? Es ist die unerträgliche Langsamkeit des Seins. Die viel zu langsamen Nachrichten-Laufbänder bei Sendern wie n-tv oder N24 machen mich genauso kribbelig wie umständliche Sprachnachrichten, wenn stattdessen zwei, drei geschriebene Sätze gereicht hätten.

Ich: hoffe, dass sich Sprachnachrichten in den nächsten 50 Jahren nicht gegen E-Mails durchsetzen.

 

Bildrechte: © Petr Vaclavek – Fotolia.com

2 Kommentare zu „Was Sprachnachrichten und n-tv gemeinsam haben“

  • Vielen Dank für diesen erhellenden Beitrag :-) Ich habe auch schon einmal eine Sprachnachricht bekommen. Zugegeben, ich hab den Inhalt fast sofort wieder vergessen und bin mir nicht mal sicher geantwortet zu haben.
    E-Mails kannn ich immer wieder hervorkramen, nachlesen, speichern und nötigenfalls sogar ausdrucken (wenns was wichtiges ist).

  • Vielen Dank für deinen Kommentar, liebe Nicola.

    Ja, das ist richtig: Man kann E-Mails besser verwalten als Sprachnachrichten.

    Wer effizienter arbeiten will, sollte das nicht auf Kosten anderer machen. Mir als Empfängerin raubt der gesamte Vorgang Zeit und Nerven.

    Ich finde es auch unpersönlich, wenn ich jemandem eine E-Mail schreibe und die Person antwortet mit seinem Textbaustein, der mich auf die Sprachnachricht hinweist.

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